Impfungen in der Schwangerschaft:  !!! oder ???

Immer noch ist die Meinung weit verbreitet, in der Schwangerschaft dürfe oder solle man nicht impfen. Auch viele junge Menschen sagen aus Vorsicht: "Lieber nicht". So pauschal läßt sich die Frage nach Impfungen in der Schwangerschaft nicht beantworten. Richtig ist, dass klassiche Lebendimpfungen, etwa gegen Mumps, Masern oder Röteln, in der Schwangerschaft nicht vorgenommen werden dürfen, weil sie der/dem Ungeborenen schweren Schaden zufügen könnten. Andererseits verzichtet man aber auf einen optimalen Schutz des werdenden Lebens, wenn man sinnvolle, ungefährliche und wirksame Impfungen nicht vornehmen läßt. Der folgende Text soll etwas Licht in die Dunkelheit der Fragen bringen. Beginnend mit Covid-19 erfahren Sie wichtige Details zur Fragestellung der Sinnhaftigkeit von Impfungen in der Schwangerschaft.


Covid-19-Impfung von Schwangeren und bei Kinderwunsch

Schwangere Frauen können nach Rücksprache mit ihrem Arzt zum Schutz vor Covid-19 geimpft werden. Die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen. Um Ärzte und Ärztinnen bei der Beratung Ihrer Patientinnen zu unterstützen, geben Fachgesellschaften Empfehlungen auf Basis des aktuellen Wissensstands.

Keine generelle Covid-19-Impfung aller Schwangeren

Derzeit sind zwei mRNA-Covid-19-Impfstoffe (Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Covid-19 Vaccine Moderna® von Moderna) sowie ein vektorbasierter Impfstoff (AZD1222 von AstraZeneca) in Europa zugelassen.Belastbare Daten zur Anwendung aller drei Impfstoffe in der Schwangerschaft liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.

Es gilt daher:

Die Entscheidung über die Impfung von Schwangeren sollte nur in enger Absprache mit einem Arzt, nach Abwägung der individuellen Vorteile und Risiken getroffen werden.
Eine generelle Impfung aller Schwangeren wird derzeit mehrheitlich von den Fachgesellschaften nicht befürwortet. Schwangere sollen jedoch nicht grundsätzlich von Impfprogrammen ausgeschlossen werden.
 

Für Risikopatientinnen Impfung in Erwägung ziehen

Insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer SARS-CoV-2-Infektion kann die Impfung angeboten werden. Nachfolgende Informationen adressieren wichtige Aspekte des persönlichen Beratungsgespräches und sollten je nach individueller Konstellation Berücksichtigung finden:

  • Schwangere Frauen und Wöchnerinnen mit Covid-19 zeigen zwar im Vergleich zu gleichaltrigen nicht-schwangeren Frauen seltener Symptome wie Fieber und Gliederschmerzen, allerdings gibt es vermehrt schwere Verläufe mit der Notwendigkeit intensivmedizinischer Versorgung und Beatmung.
  • Vorerkrankungen (z. B. Hypertonus, Diabetes mellitus), mütterliches Alter über 35 Jahren und Adipositas stellen Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Schwangeren dar.
  • Schwangere Frauen mit Covid-19 weisen eine höhere Frühgeburtenrate im Vergleich zu Müttern ohne Erkrankung in der Schwangerschaft auf.
  • Eine SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft ist mit einer erhöhten Präeklampsie-Prävalenz und gehäuften thromboembolischen Ereignissen assoziiert. Die Rate der Neugeborenen von Müttern mit Covid-19, die auf einer neonatologischen Intensivstation betreut werden mussten, ist ebenfalls erhöht.
  • Bei altersentsprechend niedriger Gesamt-Mortalität ist die Sterblichkeit von Schwangeren mit Covid-19 jedoch deutlich erhöht.
  • Eine mögliche prä- und perinatale vertikale Transmission von SARS-CoV-2 wird in einigen Fallberichten beschrieben und in Übersichtsarbeiten diskutiert. Neonatale SARS-CoV-2-Infektionen sind selten symptomatisch und die Infektionsrate ist nicht höher, wenn das Kind vaginal geboren wird, gestillt wird oder bei der Mutter verbleibt.
  • Durch Impfung gebildete Antikörper stellen nach Sezernierung in die Muttermilch einen potenziellen Infektionsschutz des Säuglings dar. Mütterliche IgG-Antikörper nach SARS-CoV-2-Infektion korrelieren positiv mit den Antikörperspiegeln ihrer Neugeborenen. Auch wenn gesicherte Daten ausstehen, kann die durch Muttermilch übertragene schützende Immunität eine passive Präventionsstrategie zum Schutz des Säuglings darstellen.
  • Derzeit existieren nur sehr wenig Daten zur Anwendung von mRNA-Impfstoffen und zu Covid-19-Impfungen in der Schwangerschaft: Tierexperimentelle Untersuchungen des Impfstoffherstellers Moderna berichten keine nachteiligen Auswirkungen auf die weibliche Fertilität, die embryonale/fetale oder die postnatale Entwicklung.
  • Spezifische Risiken durch Nicht-Lebendimpfstoffe in der Schwangerschaft sind nicht bekannt. Da derzeitige Impfstoffe keine vermehrungsfähigen Viren enthalten, ist eine Infektion von Schwangerer oder Feten mit SARS-CoV-2 durch die Impfung nicht möglich.
  • Tierexperimentelle Daten zeigen, dass i.m. injzierte mRNA zu großen Teilen in der Einstichstelle selbst und in den nächsten drainierenden Lymphknoten zu finden ist. Die mRNA ist dabei für circa 72 Stunden nachweisbar. Das Risiko der Integration der mRNA in das zelleigene Genom ist nicht plausibel, da mRNA nicht selbstständig den Eintritt in den Zellkern bewirken kann.
  • Der Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion für die schwangere Frau ist mit dem gleichen hohen Wirkungsgrad der Impfung anzunehmen, wie dies in den bisherigen Studien für nicht-schwangere Frauen gezeigt werden konnte. Antikörper nach Infektion oder Impfung stellen zum jetzigen Zeitpunkt den besten Schutz vor einer Infektion dar.
  • Es ist nicht zu erwarten, dass das Nebenwirkungsprofil einer Impfung gegen Covid-19 bei Schwangeren von dem Nicht-Schwangerer abweicht. Schwangeren, die nach der Impfung Fieber haben, kann zur Einnahme von Paracetamol geraten werden. Sollten in der Vergangenheit bereits eine schwere allergische Reaktion auf einen anderen Impfstoff aufgetreten sein, soll sie hierzu beraten werden.

Um Schwangere indirekt zu schützen, sollen enge Kontaktpersonen von Schwangeren, insbesondere deren PartnerInnen, sowie Hebammen und Ärzte priorisiert geimpft werden.


Kein Hinweis auf Infertilität durch Covid-19-Impfung

Für Frauen mit Kinderwunsch ist es wichtig, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass mRNA-Impfstoffe die Fertilität beeinträchtigen. Eine Immunisierung vor Schwangerschaftseintritt kann die Infektionsgefahr während der Schwangerschaft und die damit verbundenen Risiken minimieren. Eine Schwangerschaftsverhütung nach Impfung ist nicht erforderlich.

 Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Februar 2021


Weitere Impfungen in der Schwangerschaft

Über weitere Impfungen, die in der Schwangerschaft sinnvoll oder gar erforderlich sein können, andererseits aber keinesfalls vorgenommen werden sollen, informiert die folgende Tabelle, die einer Ausarbeitung des Berufsverbands der Frauenärzte und des Robert-Koch-Instituts entspringt:

Sie können aus der Tabelle ersehen, dass die Frage der Impfung häufig erst nach sorgfältiger Abwägung aller Umstände beantwortet werden kann. Dabei helfen wir Ihnen gerne.